Ausgewählter Beitrag

Jedes Ding hat zwei Seiten...

oder die Kunst, die richtige zu wählen...

Nachdem mich die senile Bettflucht (und meine nach Erlösung schreiende Blase) wieder mal früh um fünf Uhr aus dem Bett gescheucht hatten, packte mich dann gegen sieben Uhr ein leises Hungergefühl. Da auch der Kaffee dieses nicht mehr wirklich betäuben konnte, schlurfte ich also in die Küche, um einen Blick in unseren utopischen Kühlschrank (der für zwei Personen eigentlich völlig überdimensioniert ist, die Kaufgeschichte muss ich bei Gelegenheit auch mal erzählen) zu werfen.

Sofort sprang mich (natürlich bildlich gesehen, weil gestern frisch gekauft und noch nicht zu einer neuen Lebensform mutiert) eine Packung Tatar an. So warf ich schnell ein gestriges Brötchen auf den Toaster und schnippelte ein paar Zwiebelringe. Ausnahmsweise schoss mir der Gedanke an einen nicht unwichtigen Bestandteil der Zubereitung, nämlich Salz, durch den Kopf, bevor Tatar und Zwiebelringe von mir zu einer homogenen Masse zusammengequetscht wurden. Normalerweise fällt es mir erst zu spät ein, sodass ich dann das Gesamte salzen muss, was ich absolut nicht leiden kann. Naja, jeder hat so seinen Spleen...

Da ich mit den Frühstückszutaten inzwischen im Esszimmer angekommen war, wo auch der Toaster sein Dasein fristet, wanderte ich also zurück in die Küche, um den Salzstreuer zu holen. Dieser ist kein „normaler“ Streuer, denn diese Dinger treiben mich regelmäßig zu leichten Aussetzern, weil die Streuöffnungen so gut wie immer dann verklebt sind wenn ich den Streuer benutzen will. Dass Reiskörner die Feuchtigkeit aufsaugen im Streuer ist übrigens ein Ammenmärchen, oder habt Ihr schon mal aufgequollene Reiskörner im Salzstreuer gefunden? Die haben allenfalls eine mechanische Wirkung, das Salz etwas streufähiger zu halten.

Zurück zu meinem unnormalen Streuer. Das ist schlicht so ein Gewürzstreuer von T*pper, fragt mich nicht nach der Bezeichnung. Dieser Hersteller hat so seltsame Namen für seine Produkte, dass mein Gehirn sich schlicht weigert, sie zu speichern. Nur der „Eidgenosse“ ist hängen geblieben, eine Vorratsdose ist das glaub ich. Und wieder zurück zum Streuer.. *hüstel*. Dieser hat praktischerweise zwei Klappen, eine, wenn man eine größere Salzmenge benötigt, die andere zum Streuen.

Nun ist mein Gehirn zwar durchaus leistungsstark, lässt sich aber unglücklicherweise leicht ablenken (was der Göttergatte ständig beklagt und ich dann vehement abstreite, höchstens mal kleine Abweichungen zugestehe). In diesem Fall war es gerade dabei, die Vor- und Nachteile von verschiedenen Haselnussarten und ihren potentiell benötigten Befruchtersorten abzuwägen, während ein recht kleiner Teil sich auf meine manuelle Betätigung konzentrierte. So öffnete ich die Klappe und streute... nein, eben nicht. Ich schüttete etwa ein Viertel des Inhalts auf eine Hälfte meines Brötchens sowie die Zwiebeln, die ihr Dasein noch am Tellerrand fristeten... Falsche Seite...

Nun mag ich zwar Tatar recht salzig, aber ich bevorzuge es, wenn ich das Fleisch unter dem Salz noch erkennen kann. Da dies hier definitiv nicht gegeben war, häufte ich die Zwiebeln auf das Brötchen und wanderte zum dritten Mal in die Küche, in der Hoffnung das überschüssige Salz abspülen zu können. Die Alternative wäre das nackte Brötchen gewesen, zumindest eine Hälfte, denn der Rest des Tatars ruhte schon sanft in Woodys Magen (natürlich ohne Salz und Zwiebeln).

In der Küche angekommen überkam mich der glorreiche Gedanke, einen Teil des Salzes im Mülleimer zu entsorgen. Also öffnete ich den Deckel, schüttelte mein Brötchen... und entsorgte so Salz, Zwiebeln und Tatar gleichermaßen. In diesem Moment erinnerte ich mich auch daran, dass Butter nicht nur den Zweck hat, gut zu schmecken. Nein, sie pappt auch den Belag, zumindest begrenzt, ans Brötchen. Zu schade, dass ich vergessen hatte, Butter zu verwenden. Da sich das Abspülen nun erledigt hatte, raffte ich die kläglichen Reste meines Frühstücks, eine Trostpackung Kekse und die ebenso (wenn nicht noch mehr) kläglichen Reste meiner Würde zusammen und verließ den Ort des Geschehens erhobenen Hauptes (wodurch ich über Lucky stolperte und beinahe noch die zweite Brötchenhälfte eingebüsst hätte...)

Nein, ich kaufe trotzdem keinen Salzstreuer... Tatarbrötchen werden eh überbewertet.

Nickname 30.12.2015, 14.03

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Kommentare zu diesem Beitrag

4. von Uwe

Hallo Nachbarn!
beste Wünsche für 2016 und ich empfehle für derartige Aufgabenstellungen eine vernünftige Salzmühle..liebe Grüße an alle 2-und 4 Beiner vom Herrn Hofgeschnatter

vom 01.01.2016, 18.38
3. von Ocean

Sooo herrlich geschrieben, liebe Tamara :) Danke für den Lacher. Du solltest echt ein Buch schreiben! Das mit den Reiskörnern kann ich bestätigen. Also dass es nicht wirklich was bringt ..

Liebe Grüße zu dir ..und einen guten Rutsch ins Neue Jahr wünsch ich dir :)

Ocean



vom 31.12.2015, 11.42
2. von Barbara

biggrin TAMARA, you made my day!!!!
Wenigstens hatte Woody ein ordentliches Frühstück.

Kleiner Tipp... Im Salzstreuer liegt bei mir eines dieser kleinen Päckchen mit "weiß-der-Himmel-was", das immer mal wieder bei Elektrogeräten usw. beigepackt ist - gegen Feuchtigkeit.
Hilft wirklich gut.

Immer noch lachende Grüße
Barbara

vom 31.12.2015, 09.53
1. von Josi

biggrin Hatte ich letztens mit dem Pfefferding. Ich denke, es liegt am Alter. Ehrlich.

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